Artikel erstellt am 06.04.2026
von Andreas Kühl | ca: 4 Min. zu lesen

Welche Effizienzangaben einer Wärmepumpe sind wichtig?

Sie haben sich für den Kauf einer Wärmepumpe entschieden und wollen verschiedene Angebote vergleichen? Dabei stellen Sie fest, dass die Datenblätter der Hersteller mehrere Angaben für die Effizienz einer Wärmepumpe enthalten. Was sagen diese Zahlen aus und welcher Wert ist wichtig? Wir erklären Ihnen die unterschiedlichen Angaben für die Effizienz der Wärmepumpe und sagen, auf welchen Wert es wirklich ankommt, obwohl er nicht auf dem Datenblatt steht.

Wärmepumpe vor einem Wohnhaus
Wärmepumpe vor einem Wohnhaus (Bildquelle: Hermann – stock.adobe.com)

Faktoren für die Effizienz einer Wärmepumpe

Alle Werte für die Effizienz einer Wärmepumpe, die in einem Datenblatt stehen, hängen von normierten Bedingungen ab und werden im Labor ermittelt. Zu Ihrer Heizungsanlage gehören Heizflächen, Thermostatventile und Heizungsrohre. Ihr Haus bietet keine Laborbedingungen. In der Praxis fällt die Effizienz daher unterschiedlich aus. Die Werte im Datenblatt geben nur Anhaltspunkte zur Orientierung.

Für die Effizienz einer Wärmepumpenheizung in der Praxis spielen eine Reihe von Faktoren eine wichtige Rolle:

  • Wärmequelle: Außenluft, Erdreich oder Grundwasser
  • Temperatur der Wärmequelle
  • Systemtemperaturen: 35, 55 oder 70 °C Vorlauf
  • Effizienz der verbauten Anlage mit ihren Einstellungen, Rohrleitungen, Heizflächen und Thermostatventilen
  • Effizienz des Hauses mit Wärmebedarf
    Nutzerverhalten
  • Kälte und Dauer des Winters
  • Hitze im Sommer für Wärmepumpen mit Kühlbetrieb

Die Effizienz kann von Jahr zu Jahr variieren, da sie sowohl von den tatsächlichen Außentemperaturen als auch vom Nutzerverhalten beeinflusst wird. Nach einem milden Winter ist sie in der Regel höher als nach einem kalten Winter. Durch den Einfluss der realen Außentemperaturen und der Nutzer kann sich die Effizienz jedes Jahr verändern. Nach einem milden Winter fällt sie höher aus als nach einem kalten Winter.

Angaben zur Energieeffizienz der Wärmepumpe

In den technischen Unterlagen der Hersteller stehen mehrere Werte für die Effizienz des jeweiligen Produktes. Die folgenden Erklärungen sollen Ihnen helfen, die Angaben einzuordnen.

Energieverbrauchskennzeichnung: Hierbei handelt es sich um ein Energielabel, das Sie bereits von anderen Haushaltsgeräten kennen. Es gibt die Energieeffizienzklasse Ihrer Wärmepumpe mit einer Vorlauftemperatur von 55 °C bzw. 35 °C an. Moderne Wärmepumpen liegen in der Regel bei A++ oder A+++.

Leistungszahl COP: Dieser Wert steht für “Coefficient of Performance” und gilt für standardisierte Laborbedingungen mit definierten Parametern. Er wird in der Praxis nicht erreicht und gilt nur für den Messpunkt im Labor. Der Zusatz, z. B. A7/W35, gibt die wichtigsten Randbedingungen an und steht in diesem Fall für die Wärmequelle Luft (Air) mit einer Temperatur von +7 °C und Wärmeabgabe des Mediums Wasser mit einer Temperatur von 35 °C (Vorlauftemperatur).

Saisonale Leistungszahl SCOP: Bei dem Wert für den “Seasonal Coefficient of Performance“ wird die Effizienz nicht für einen Messpunkt angegeben, sondern über eine Heizperiode gemittelt. Die Heizperiode wird gemäß europäischer Norm unter standardisierten Annahmen festgelegt. Dieser Wert wird ebenfalls bei den Vorlauftemperaturen 35 °C und 55 °C ermittelt.

Eta η: In einigen Datenblättern steht eine Prozentangabe für die saisonale Energieeffizienz der Wärmepumpe. Das ist der physikalische Wert für den Wirkungsgrad, der sich aus der geleisteten Nutzenergie (der Wärmemenge) geteilt durch die eingesetzte elektrische Energie ergibt.

Leistungszahl EER: Bei Wärmepumpen mit Kühlfunktion wird zusätzlich die Leistungszahl für den Kühlbetrieb (“Energy Efficiency Ratio”) angegeben. Diese ist das Pendant zum COP und gibt das Verhältnis der erzeugten Kälteenergie zur eingesetzten elektrischen Energie bei einem Standardwert im Laborbetrieb an. Dieser liegt z. B. bei 35 °C Lufttemperatur und 18 °C Wassertemperatur (A35/W18).

Saisonale Leistungszahl SEER: Die saisonale Leistungszahl ist der vergleichbare Wert für die Effizienz über die Kühlperiode bei durchschnittlichen Klimaverhältnissen in Europa.

Effizienz der Wärmepumpe in der Praxis: Jahresarbeitszahl

Für Sie als Eigentümer einer Wärmepumpe ist die Jahresarbeitszahl (JAZ) in der Praxis die wichtigste Angabe für ihre Effizienz. Sie gibt das Verhältnis der erzeugten Wärmeenergie zur eingesetzten elektrischen Energie an.

JAZ = Wärmeenergie : elektrische Energie

Die Jahresarbeitszahl (JAZ) gibt an, wieviel Wärme im Verhältnis zum eingesetzten Strom erzeugt wird. Liegt die JAZ beispielsweise bei 3,5, entstehen aus 1 kWh Strom etwa 3,5 kWh Wärme.

Auf Basis dieses Wertes können Sie den Wärmepreis berechnen und mit anderen Technologien vergleichen. Bei einer JAZ von 3,5 und einem Strompreis von 32 ct/kWh ergeben sich Wärmekosten von rund 9,14 ct/kWh. Zum Vergleich: Der Gaspreis lag im März 2026 bei etwa 10 ct/kWh.

Das Problem dieser Zahl: Sie steht nicht im Datenblatt. Dieser Wert kann erst im eingebauten Zustand und frühestens ein Jahr nach Inbetriebnahme der Wärmepumpe ermittelt werden. In der Angebotsphase kann es deshalb sinnvoll sein, die Installateure nach der erzielten JAZ in vergleichbaren Häusern zu fragen. Erfahrene Handwerker können Ihnen einen Anhaltspunkt geben oder eine Bandbreite für die Jahresarbeitszahl nennen. Eine genaue Zahl zu benennen, wäre jedoch unseriös.

Fazit

Die Werte für die Effizienz der Wärmepumpe (z. B. COP oder SCOP) in einem Datenblatt sind theoretische oder Laborwerte. Entscheidend für die Effizienz Ihrer Wärmepumpe ist nur die JAZ. Erfahrene Installateure können anhand Ihres Gebäudes und der Produktdaten allenfalls einen Bereich für die Effizienz in der Praxis angeben.

Fragen Sie Ihren Installateur, ob Sie zum Angebot auch eine Abschätzung der voraussichtlichen JAZ erhalten können.

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