Der erste Schritt zur Zufriedenheit mit Ihrer neuen Wärmepumpe beginnt bereits vor der Installation. Wenn die Handwerker die passende Größe Ihrer neuen Heizung präzise berechnen und sie optimal auf Gebäude und Standort abstimmen, schaffen sie die Grundlage dafür, dass Sie später effizient, kostengünstig und klimafreundlich heizen. Eine zu groß geplante Wärmepumpe kann dagegen unnötige Kosten verursachen. Dieser Beitrag erklärt, warum die richtige Dimensionierung Ihrer Wärmepumpe so wichtig ist und worauf Sie bei einem Angebot achten sollten.

Wärmepumpen brauchen eine genaue Dimensionierung
Bei Wärmepumpen ist es entscheidend, dass sie gut auf das Haus abgestimmt und weder zu groß noch zu klein dimensioniert sind. Ist die Wärmepumpe zu klein,reicht die Leistung nicht aus, um das Haus auf die notwendige Temperatur zu erwärmen. Als Folge muss der Heizstab häufiger einspringen und im Endeffekt fallen die Stromkosten deutlich höher als geplant aus.
Gas- und Ölheizungen wurden häufig mit einem Sicherheitspuffer größer dimensioniert, um sicherzustellen, dass das Haus in kalten Wintern warm wird. Bei dieser Art der Heizung war das kein Problem. Diese Vorgehensweise kann nicht auf moderne Wärmepumpen übertragen werden, denn eine zu groß dimensionierte Heizung kann zu höherem Stromverbrauch führen. Das liegt daran, dass sie häufig außerhalb ihres optimalen Bereichs arbeiten muss. Folglich sinkt die Jahresarbeitszahl (JAZ) und die Stromkosten steigen.
Besonders in der Übergangszeit mit milden Temperaturen muss eine zu groß ausgelegte Wärmepumpe häufig ein- und ausschalten – Experten nennen das “Takten”. Sie erreicht die gewünschte Vorlauftemperatur für das Heizungssystem verhältnismäßig schnell und schaltet dann ab. Häufiges Takten erhöht den Verschleiß und verkürzt möglicherweise die Lebensdauer der Wärmepumpe. Bei richtiger Dimensionierung hält eine Wärmepumpe rund 20 Jahre. Eine überdimensionierte Auslegung führt zu einer starken Taktung, die die Lebensdauer auf 10 bis 15 Jahre verkürzen kann.
Die höhere Taktung der Wärmepumpe kann auch dazu führen, dass die Heizflächen nicht richtig warm werden und die Temperatur nicht konstant gehalten wird. Dadurch leiden die Behaglichkeit und der Komfort für die Bewohner. Gleiches gilt für die Geräuschentwicklung, die bei Startvorgängen höher ist als bei Dauerbetrieb.
Hinzu kommt, dass größere Geräte mehr Platz im Aufstellraum benötigen und teurer in ihrer Anschaffung sind.
Wie funktioniert eine korrekte Heizlastberechnung?
Eine Faustformel zur Heizleistung pro Quadratmeter liefert nur einen ersten Richtwert. Für die passende Dimensionierung einer Wärmepumpe reichen weder diese Schätzung noch die Leistung der alten Heizung aus. Entscheidend ist eine fachgerechte Heizlastberechnung: Sie zeigt, welche Leistung tatsächlich benötigt wird, und schafft die Grundlage für eine effiziente und wirtschaftliche Entscheidung.
Für die Berechnung der Heizlast hat sich die Norm DIN EN 12831 als Standard etabliert. Dabei ermittelt der Handwerker die Wärmeverluste über Wände, Fenster, Decken, Dach und Boden sowie die Lüftungswärmeverluste. Idealerweise wird eine raumweise Berechnung (Verfahren B) durchgeführt. Diese kann gleichzeitig als Kontrolle der Größe der Heizkörper dienen und als Basis für den vorgeschriebenen hydraulischen Abgleich verwendet werden. Ein Nachweis des hydraulischen Abgleichs nach Verfahren B muss mit den Unterlagen für die Förderung eingereicht werden.
In die Berechnung der Heizlast gehen zum Beispiel diese Faktoren:
- Gebäudehülle mit Außenflächen, Fensterflächen und Dämmstandard
- Luftdichtheit bzw. Lüftungskonzept
- Standort mit Normaußentemperatur
Wie kommt man von der Heizlast zur Wahl der Wärmepumpe?
Die Heizlast ist der wichtigste Schritt auf dem Weg zur Bestimmung der Leistung Ihrer neuen Wärmepumpe. Hinzu kommt die Berechnung des Warmwasserbedarfs. Hier wird berücksichtigt, dass die Wärmepumpe eventuell Heizwärme und Warmwasser zur gleichen Zeit erzeugen muss.
Nach der Heizlastberechnung sollte geprüft werden, ob die vorhandenen Heizkörper bzw. Heizflächen groß genug sind, um die Räume auch mit der niedrigeren Vorlauftemperatur einer Wärmepumpe zuverlässig zu erwärmen. Ideal ist dabei eine maximale Vorlauftemperatur von 55 °C. Falls einzelne Heizkörper dafür nicht ausreichen, können sie gegen moderne oder größere Modelle ausgetauscht werden. .
Weitere Faktoren für die Auslegung sind das Lastprofil bzw. die Nutzungsgewohnheiten und die eventuelle Einbindung eines Pufferspeichers in das Heizungssystem.
In der Planung der Wärmepumpe wird festgelegt, ob diese die Heizlast alleine abdecken soll (monovalenter Betrieb) oder ob bei extremen Außentemperaturen ein zusätzlicher Heizstab den Betrieb unterstützen soll (bivalenter Betrieb). Der zusätzliche Heizstab ist besonders im unsanierten Gebäudebestand sinnvoll, damit die Wärmepumpe in der verbleibenden Zeit der Heizperiode nicht überdimensioniert ist. Im bivalenten Betrieb wird die Leistung der Wärmepumpe so ausgelegt, dass sie bis zu einer definierten Außentemperatur (Bivalenzpunkt) die Wärmeversorgung des Hauses alleine decken kann.
Unterschied Neubau und Bestand
Im Neubau kann Ihr Handwerker für die Dimensionierung der Wärmepumpe auf die Originalpläne und Wandaufbauten zurückgreifen. Damit ist eine genaue Berechnung der Heizlast möglich. Sind in Ihrem bestehenden Gebäude die Unterlagen nicht mehr verfügbar, muss für die Berechnung der Heizlast der Wärmeverlust über die Außenbauteile geschätzt werden. Ein Vor-Ort-Termin ist auf jeden Fall hilfreich, um die Flächen zu ermitteln und den Dämmstandard abzuschätzen.
Bei Bestandsgebäuden sollte geprüft werden, ob die vorhandenen Heizkörper die Räume auch bei der angestrebten Vorlauftemperatur zuverlässig erwärmen können. Im Neubau können die Heizflächen hingegen passend geplant werden. Sie sind hocheffizient und haben daher einen höheren Anteil der Warmwasserbereitung am Wärmebedarf. In älteren Gebäuden spielt das Warmwasser nur eine nachrangige Rolle, die Wärmepumpe muss aber die benötigte Temperatur zur Warmwasserbereitung ohne Effizienzverluste erreichen können.
Worauf sollten Sie bei Angeboten achten?
Bei Angeboten oder in Gesprächen mit ihrem Handwerker sollten Sie auf einige wichtige Punkte achten:
- Wurde eine raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 durchgeführt?
- Fand ein Vor-Ort-Termin für die Heizlastermittlung statt?
- Ist die Berechnung dokumentiert und nachvollziehbar?
- Wurde die Vorlauftemperatur berücksichtigt?
- Gab es eine Prüfung der vorhandenen Heizkörper?
- Wurde der Warmwasserbedarf berücksichtigt?
- Gehört der hydraulische Abgleich zum Leistungsumfang?
- Wie verhält sich die geplante Wärmepumpe in der Übergangszeit?
Fazit
Die raumweise Berechnung des Wärmebedarfs ist ein wichtiger Bestandteil des Angebots. Ist sie nicht Teil des Angebotes, sollten Sie mit dem Handwerker sprechen und auf diese Berechnung bestehen. Er wird sie ohnehin für den Nachweis des hydraulischen Abgleichs durchführen müssen. Dieser ist eine Voraussetzung für die Auszahlung der KfW-Förderung. Die Wärmepumpe sollte exakt auf Ihr Haus abgestimmt sein. Ist sie zu groß dimensioniert, sinkt die Effizienz – zugleich steigen Stromverbrauch und Verschleiß.





