Artikel aktualisiert am 24.09.2023
von Boris Stippe | ca: 10 Min. zu lesen

Gebäudeheizlast

Wie dimensioniert man die Wärmepumpe?

Die Heizlast des Gebäudes ist die maximale Wärmemenge, die ein Gebäude benötigt, um bei den niedrigsten zu erwartenden Außentemperaturen ein angenehmes Raumklima aufrecht zu erhalten. Sie wird für die Dimensionierung und Auswahl der geeigneten Wärmepumpe und des Heizsystems verwendet.

Energieberatung zur Ermittlung der Gebäudeheizlast
Energieberatung zur Ermittlung der Gebäudeheizlast (Bildquelle: Marco2811 – stock.adobe.com)

Die Heizlast eines Gebäudes bezieht sich im Zusammenhang mit der Installation und dem Betrieb einer Wärmepumpe auf die Ermittlung der maximalen Wärmeenergie, die benötigt wird, um ein Gebäude bei den niedrigsten zu erwartenden Außentemperaturen auf eine behagliche Raumtemperatur zu beheizen. Sie ist ein entscheidender Parameter bei der Planung und Dimensionierung von Heiz- und Kühlsystemen, insbesondere von Wärmepumpen.

Die Heizlast eines Gebäudes wird in der Regel durch eine umfassende Wärmebedarfsberechnung ermittelt, bei der verschiedene Faktoren berücksichtigt werden. Dazu gehören die Größe und Form des Gebäudes, die Dämmung der Gebäudehülle, die Anzahl und Art der Fenster, die Lage des Gebäudes, die Witterungsbedingungen und der gewünschte Raumkomfort. Mit Hilfe spezieller Software oder Tabellen können Architekten, Ingenieure oder Energieberater die Gebäudeheizlast berechnen, um die richtige Größe und Leistung der Wärmepumpe zu bestimmen.

Die genaue Kenntnis der Gebäudeheizlast ist für die effiziente und wirtschaftliche Installation und den Betrieb einer Wärmepumpe von großer Bedeutung. Eine überdimensionierte Wärmepumpe kann zu einem ineffizienten Betrieb führen, während eine unterdimensionierte Wärmepumpe das Gebäude nicht ausreichend beheizen kann. Durch eine genaue Berechnung der Heizlast des Gebäudes können unnötige Kosten vermieden und der Energieverbrauch optimiert werden. Darüber hinaus ermöglicht die Kenntnis der Heizlast des Gebäudes eine fundierte Entscheidung bei der Auswahl der richtigen Wärmepumpentechnologie und des geeigneten Heizsystems für ein bestimmtes Gebäude.

Wie wird die Heizlast eines Gebäudes berechnet?

Die Berechnung der Heizlast eines Gebäudes ist ein komplexer Vorgang, bei dem mehrere Faktoren und Parameter berücksichtigt werden müssen. Im Folgenden werden die Schritte, die üblicherweise bei der Berechnung der Heizlast eines Gebäudes durchgeführt werden, im Detail erläutert:

  • Gebäudegeometrie und -orientierung: Die erste Phase der Berechnung umfasst die Erfassung der Gebäudegeometrie und -orientierung. Dazu gehören die Abmessungen des Gebäudes, die Größe und Anordnung von Fenstern, Türen, Wänden und Dächern. Die Oberflächen werden gemessen, um die Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Werte) der Bauteile zu bestimmen.
  • Wärmedurchgangskoeffizienten: Die Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Werte) geben an, wie viel Wärmeenergie durch die verschiedenen Bauteile des Gebäudes verloren geht. Sie werden für Wände, Fenster, Dächer, Böden und Türen bestimmt. Die U-Werte basieren auf den Materialien, der Dämmung und den Konstruktionsdetails der Bauteile.
  • Lüftung und Luftwechselrate: Die Lüftung des Gebäudes spielt eine wichtige Rolle bei der Berechnung der Heizlast. Die Luftwechselrate, d.h. die Luftmenge, die pro Stunde durch Undichtigkeiten oder kontrollierte Lüftung ausgetauscht wird, wird berücksichtigt. Eine genaue Kenntnis der Luftwechselrate ermöglicht eine Abschätzung der Lüftungswärmeverluste.
  • Innen- und Außentemperatur: Die gewünschte Innentemperatur wird festgelegt, normalerweise in Abhängigkeit von der Nutzung des Gebäudes. Die erwartete Außentemperatur, die auf lokalen Klimadaten basiert, wird ebenfalls berücksichtigt. Der Temperaturunterschied zwischen innen und außen ist ein entscheidender Faktor für den Heizenergiebedarf.
  • Solare Einstrahlung: Die solare Einstrahlung durch Fenster oder andere Glasflächen wird berücksichtigt. Sie kann je nach Himmelsrichtung und Verschattungselementen wie Jalousien oder Vorhängen variieren. Die solare Einstrahlung kann je nach Jahreszeit und Ausrichtung des Gebäudes den Heizwärmebedarf verringern oder erhöhen.
  • Interne Wärmegewinne: Wärmequellen im Gebäude wie Personen, Beleuchtung, elektrische Geräte und Haushaltsgeräte erzeugen interne Wärmegewinne. Diese werden bei der Berechnung der Heizlast berücksichtigt, da sie den Heizenergiebedarf reduzieren können.
  • Klimadaten: Klimadaten wie die Anzahl der Heiztage pro Jahr, die mittlere Außentemperatur oder Klimaschwankungen werden verwendet, um den Heizwärmebedarf über einen bestimmten Zeitraum zu berechnen. Dies ermöglicht eine genauere Abschätzung des jährlichen Energiebedarfs.

Warum ist die Heizlast von Gebäuden wichtig?

Die Heizlast eines Gebäudes ist von großer Bedeutung, da sie bei der Planung, Dimensionierung und Auswahl von Heizsystemen eine zentrale Rolle spielt. Hier einige Gründe, warum die Heizlast wichtig ist:

  • Effiziente Heizsysteme: Die Kenntnis der Heizlast ermöglicht es, Heizsysteme genau auf den tatsächlichen Bedarf des Gebäudes abzustimmen. Eine überdimensionierte Heizungsanlage würde unnötig hohe Investitions- und Betriebskosten verursachen. Eine unterdimensionierte Anlage hingegen könnte nicht genügend Wärme liefern, um die Behaglichkeit im Gebäude zu gewährleisten. Durch die genaue Bestimmung der Heizlast kann eine optimale Dimensionierung der Heizungsanlage erreicht werden, was zu einer effizienten Nutzung von Energie und Ressourcen führt.
  • Energieeffizienz: Wenn die Heizenergie genau an den Bedarf angepasst wird, kann der Energieverbrauch optimiert werden. Überdimensionierte Heizsysteme verbrauchen mehr Energie als notwendig, während unterdimensionierte Systeme zu einem erhöhten Energiebedarf führen können, da sie ständig auf Hochtouren laufen müssen, um die gewünschte Raumtemperatur zu erreichen. Die Heizlastberechnung ermöglicht es, den Heizenergiebedarf zu minimieren und damit Energie und Kosten zu sparen.
  • Behaglichkeit und Raumklima: Ein angenehmes Raumklima ist für die Bewohner eines Gebäudes von großer Bedeutung. Eine auf Basis der Heizlastberechnung richtig dimensionierte Heizungsanlage stellt sicher, dass die Raumtemperatur auch bei niedrigen Außentemperaturen gehalten werden kann. Dies trägt zu einer hohen Behaglichkeit und einem angenehmen Wohn- oder Arbeitsumfeld bei.
  • Nachhaltigkeit und Umweltschutz: Durch die Berechnung der Heizlast und die Auswahl eines geeigneten Heizsystems kann auch der ökologische Fußabdruck eines Gebäudes reduziert werden. Eine effiziente und optimal dimensionierte Heizung reduziert den Energieverbrauch und damit den CO2-Ausstoß.

Wie wirkt sich eine falsch berechnete oder unterschätzte Heizlast eines Gebäudes aus?

Eine falsch berechnete oder unterschätzte Heizlast eines Gebäudes kann verschiedene negative Auswirkungen sowohl auf den Komfort als auch auf die Energieeffizienz haben. Im Folgenden sind einige Auswirkungen einer fehlerhaften Heizlastberechnung im Detail aufgeführt:

  • Unzureichender Raumkomfort: Wird die Heizlast unterschätzt, kann die installierte Heizungsanlage bei niedrigen Außentemperaturen nicht genügend Wärmeenergie bereitstellen, um das Gebäude ausreichend zu beheizen. Dies führt zu einem unzureichenden Raumkomfort, da die gewünschte Innentemperatur nicht erreicht wird. Die Bewohner können sich unbehaglich fühlen und es können Kältezonen oder Zugerscheinungen auftreten.
  • Häufiger Einsatz von Zusatzheizungen: Wenn die Heizlast nicht korrekt ermittelt wird, besteht die Gefahr, dass zusätzliche Heizgeräte wie Elektroheizungen oder Raumheizkörper eingesetzt werden müssen, um den Heizbedarf zu decken. Dies führt zu höheren Energiekosten und ineffizienter Energienutzung. Zusatzheizungen können auch das Raumklima beeinträchtigen und zu einer ungleichmäßigen Wärmeverteilung führen.
  • Erhöhter Energieverbrauch: Eine fehlerhafte Heizlastberechnung kann zu einer überdimensionierten Heizungsanlage führen, die mehr Energie verbraucht als tatsächlich benötigt wird. Überdimensionierte Heizungsanlagen neigen zu häufigem Ein- und Ausschalten, was zu einem ineffizienten Betrieb und erhöhtem Energieverbrauch führt.
  • Teure Nachrüstungen: Wird die Unterschreitung der Heizlast erst nach der Installation der Heizungsanlage festgestellt, kann es notwendig sein, nachträgliche Anpassungen oder Erweiterungen vorzunehmen, um die fehlende Heizleistung auszugleichen. Dies kann mit erheblichen Kosten verbunden sein, da möglicherweise Komponenten der Heizungsanlage ausgetauscht oder ergänzt werden müssen.
  • Verkürzung der Lebensdauer der Heizungsanlage: Eine fehlerhafte Heizlastberechnung kann dazu führen, dass die Heizungsanlage überlastet wird, um den tatsächlichen Heizbedarf des Gebäudes zu decken. Dies kann zu vorzeitigem Verschleiß, erhöhtem Bauteilverschleiß und einer verkürzten Lebensdauer der Heizungsanlage führen. Eine überlastete Heizungsanlage ist anfälliger für Störungen und Reparaturen.

Kann sich die Heizlast des Gebäudes im Laufe der Zeit ändern?

Ja, die Heizlast eines Gebäudes kann sich im Laufe der Zeit ändern. Es gibt verschiedene Faktoren, die zu einer Veränderung der Heizlast beitragen können. Hier sind einige wichtige Aspekte, die es zu beachten gilt:

  • Änderungen am Gebäude: Änderungen an der Gebäudestruktur, wie z. B. der Anbau zusätzlicher Räume, der Einbau neuer Fenster oder die Verbesserung der Gebäudedämmung, können sich auf die Heizlast auswirken. Eine bessere Wärmedämmung kann die Wärmeverluste und damit die Heizlast reduzieren. Umgekehrt können zusätzliche Räume oder eine schlechte Dämmung die Heizlast erhöhen.
  • Geänderte Nutzungsmuster: Auch Änderungen in der Nutzung des Gebäudes können die Heizlast beeinflussen. Wird beispielsweise ein gewerblich genutztes Gebäude in ein Wohngebäude umgewandelt oder umgekehrt, kann sich die Heizlast aufgrund unterschiedlicher Anforderungen und Raumtemperaturen ändern. Auch Änderungen der Öffnungszeiten, der Anzahl der Bewohner oder der Art der Aktivitäten im Gebäude können sich auf die Heizlast auswirken.
  • Klimawandel: Auch der Klimawandel kann die Heizlast eines Gebäudes beeinflussen. Da sich die Außentemperaturen im Laufe der Zeit ändern können, müssen diese Änderungen bei der Berechnung der Heizlast berücksichtigt werden. Wenn die Winter beispielsweise kälter werden, kann die Heizlast steigen, während in milderen Wintern mit einer geringeren Heizlast zu rechnen ist.
  • Langfristige Analysen: Um sicherzustellen, dass das Heizsystem optimal dimensioniert ist, kann es von Vorteil sein, die Heizlast im Laufe der Zeit regelmäßig zu überprüfen und neu zu berechnen. Regelmäßige Bewertungen ermöglichen es, auf Veränderungen im Gebäude oder in der Umgebung zu reagieren und Anpassungen vorzunehmen, um die Energieeffizienz zu verbessern und den Komfort aufrechtzuerhalten.

Welche Rolle spielt die Heizlast des Gebäudes bei der Auswahl einer Wärmepumpe?

Die Heizlast eines Gebäudes spielt bei der Auswahl einer Wärmepumpe eine entscheidende Rolle. Hier sind einige wichtige Aspekte, die bei der Berücksichtigung der Heizlast zu beachten sind:

  • Dimensionierung der Wärmepumpe: Die Heizlastberechnung liefert Informationen über den tatsächlichen Wärmebedarf des Gebäudes. Anhand dieser Daten kann die Wärmepumpe entsprechend dimensioniert werden, um die benötigte Heizleistung bereitzustellen.
  • Auswahl der richtigen Wärmepumpentechnologie: Es gibt verschiedene Arten von Wärmepumpen wie Luft-Wasser-, Sole-Wasser- oder Wasser-Wasser-Wärmepumpen, die jeweils unterschiedliche Vor- und Nachteile haben. Die Heizlastberechnung hilft bei der Auswahl der für das jeweilige Gebäude am besten geeigneten Wärmepumpentechnologie.
  • Betriebsstrategie und Effizienz: Eine genaue Heizlastberechnung ermöglicht es, die Betriebsparameter der Wärmepumpe optimal einzustellen, um eine effiziente und bedarfsgerechte Heizleistung zu gewährleisten. Eine überdimensionierte Wärmepumpe würde unnötig viel Energie verbrauchen, während eine unterdimensionierte Wärmepumpe nicht ausreichend heizen könnte. Die Heizlastberechnung ermöglicht die Auswahl einer geeigneten Wärmepumpengröße für den spezifischen Bedarf des Gebäudes.
  • Anforderungen an das Heizsystem: Die Heizlastberechnung berücksichtigt auch andere Faktoren wie die Auslegungstemperatur des Heizsystems und die Nutzung der Heizkreise. So kann das Heizsystem entsprechend den Anforderungen des Gebäudes und des Nutzerverhaltens ausgewählt werden. Eine genaue Heizlastberechnung stellt sicher, dass die Wärmepumpe optimal mit Heizkörpern, Fußbodenheizung oder anderen Heizsystemkomponenten zusammenarbeitet.

Fazit

Die Heizlast des Gebäudes spielt eine entscheidende Rolle bei der Auswahl einer Wärmepumpe und der Dimensionierung des Heizungssystems. Die Heizlast bezieht sich auf die maximale Wärmemenge, die ein Gebäude benötigt, um bei den niedrigsten zu erwartenden Außentemperaturen ein angenehmes Raumklima aufrechtzuerhalten. Eine genaue Berechnung der Heizlast ist entscheidend, um sicherzustellen, dass die Wärmepumpe die erforderliche Heizleistung erbringen kann, um den Bedarf des Gebäudes zu decken. Die Heizlastberechnung berücksichtigt verschiedene Faktoren wie die Gebäudegeometrie, die Wärmedurchgangskoeffizienten der Bauteile, die Lüftungsrate, die gewünschte Raumtemperatur und die klimatischen Bedingungen. Eine falsch berechnete oder unterschätzte Heizlast kann zu unzureichendem Raumkomfort, häufigem Nachheizen, erhöhtem Energieverbrauch und teuren Nachrüstungen führen. Eine überdimensionierte Wärmepumpe kann ineffizient arbeiten, während eine unterdimensionierte Wärmepumpe zu wenig Wärme liefert.

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