Artikel erstellt am 27.02.2026
von Ines Rutschmann | ca: 7 Min. zu lesen

Wie ein dynamischer Tarif die Stromkosten senkt

Dynamische Stromtarife haben keinen festen Preis. Statt dessen ändert er sich über den Tag, je nachdem, wie teuer Strom an der Börse gerade gehandelt wird. Im Schnitt fahren Kunden damit gut: Im mehrjährigen Mittel liegen die Kosten für den Stromeinkauf in dynamischen Tarifen in unter denen von Fixtarifen. Wer seinen Verbrauch in Zeiten niedriger Börsenpreise verschiebt, verringert seine Kosten zusätzlich – um bis zu 7 Prozent, besagt eine Studie im Auftrag des Bundesverbands Verbraucherzentrale.

Für die genaue Abrechnung dynamischer Stromtarife ist ein Smart Meter notwendig
Für die genaue Abrechnung dynamischer Stromtarife ist ein Smart Meter notwendig (Bildquelle: Mr image – stock.adobe.com)

In dynamischen Stromtarifen ist der Preis nicht fix, sondern er ändert sich im Laufe des Tages. Während in Tarifen mit fixem Strompreis die Energie für Monate und Jahre im voraus eingekauft wird, so dass sich ein fester Preis für den Kunden festlegen lässt, erfolgt die Strombeschaffung in dynamischen Tarifen kurzfristig: Am Tag zuvor oder am selben Tag, an dem der Strom genutzt wird. Die Kosten für den Einkauf gibt der Stromlieferant direkt an den Kunden weiter. So kommt es, dass sich der Preis über den Tag verändern kann – abhängig von den Handelspreisen an der Strombörse.

Preise in dynamischen Stromtarifen sind transparenter und günstiger

Die direkte Weitergabe der Beschaffungskosten macht dynamische Strompreise transparenter. In fixen Strompreisen gehören die Kosten für den Stromeinkauf zu den unbekannten Faktoren – neben den Kosten für Vertrieb und der Marge des Stromlieferanten. Alle anderen Bestandteile des Strompreises sind dagegen öffentlich und für alle Kunden an einem Ort gleich hoch: die Entgelte für Netznutzung und Stromzähler, Steuern, Umlagen und Abgaben. So unterscheiden sich Stromtarife am Ende nur aufgrund unterschiedlicher Kosten für Beschaffung, Vertrieb und Marge. 2025 betrug ihr Anteil nach Daten der Bundesnetzagentur im Schnitt rund 40 Prozent beziehungsweise 16 Cent pro Kilowattstunde.

Zusammensetzung des Strompreises

Quelle: Monitoringbericht Bundesnetzagentur 2025. Die Grafik zeigt den Anteil der Preisbestandteile am durchschnittlichen, mengengewichteten Strompreis am 1. April 2025 bei einem Verbrauch zwischen 2.500 und 5.000 Kilowattstunden im Jahr.

Die Bundesnetzagentur berechnet seit 2022 auch, wie hoch die Kosten für Strombeschaffung, Vertrieb und Marge in fixen Stromtarife für Bestandskunden und Neukunden sowie in dynamischen Tarifen sind. Dabei werden einheitliche Werte für Vertrieb und Marge angenommen und allen Kundengruppen ein Standardverhalten bei der Stromnutzung unterstellt. Ergebnis: In dynamischen Tarifen sind in den vergangenen drei Jahren jeweils geringere Kosten für die Strombeschaffung angefallen als in fixen – bei identischem Verbrauchsverhalten.

2022 waren Bestandstarife im Vorteil – es war das Jahr der Gaskrise. Die Energiepreise explodierten und machte die kurzfristige Strombeschaffung teuer und damit fixe Neukundentarife und dynamische Tarife. Zeitverzögert schlugen sich die Rekordpreise in fixen Bestandstarifen nieder.

Kosten für Stromeinkauf, Vertrieb und Marge von Stromlieferanten

Fixtarif Bestandskunde Fixtarif Neukunde Dynamischer Tarif
2025 13,9 ct/kWh 13,2 ct/kWh 12,9 ct/kWh
2024 20,7 ct/kWh 12,7 ct/kWh 11,8 ct/kWh
2023 26,5 ct/kWh 20,4 ct/kWh 12,7 ct/kWh
2022 13,6 ct/kWh 30,9 ct/kWh 26,8 ct/kWh

Quelle: Modellierung von Stromtarifen durch die Bundesnetzagentur, veröffentlicht auf smard.de. Aus den Monatswerten wurde ein Jahresmittel gebildet. Es handelt sich um Netto-Kosten, die auf eine Stelle nach dem Komma gerundet wurden.

Kunden in dynamischen Tarifen profitieren direkt von sinkenden Kosten

Wenn die Handelspreise an der Strombörse sinken, profitieren Kunden in dynamischen Tarifen sofort davon: Sie zahlen direkt weniger. Dagegen sind Kunden in fixen Tarifen darauf angewiesen, dass ein Lieferant Kostensenkungen weitergibt. Passt er die Preise nicht sofort an, verdient er erst einmal mehr.

Umgedreht zahlen Kunden in dynamischen Tarifen auch direkt mehr, wenn die Handelspreise an der Strombörse steigen – wie in der Tabelle im Jahr 2022 zu sehen. Kunden in fixen Tarifen sind vor kurz andauernden Preisausschlägen am Markt geschützt. Das ist aber nicht mehr der Fall, wenn sich das Preisniveau über einen längeren Zeitraum erhöht. Im Zuge der Gaskrise 2022 kündigten Lieferanten auch Verträge, weil sie die fixen Preise nicht mehr halten konnten. Oder hoben die Preise 2023 drastisch an.

Über einen Zeitraum von mehreren Jahren zeigt sich aber: Die einmaligen Effekte gleichen sich mehr als aus. Kunden in dynamischen Tarifen fahren langfristig günstiger als Kunden in Fixtarifen – selbst wenn sie regelmäßig den Anbieter wechseln.

Potenzial zur weiteren Kostensenkung in Zeiten niedriger Strompreise

Kunden in dynamischen Tarifen können aber noch mehr Kosten sparen: Wenn sie einen Teil ihres Stromverbrauch in Stunden niedriger Börsenstrompreise verschieben. Diese bestehen in der Regel am Vormittag, am Nachmittag und nachts. Dagegen sind die Preise morgens, mittags und abends eher hoch. Morgens stehen Menschen auf, kochen Kaffee, duschen und im Winter springt die Heizung an. Mittags laufen die Küchen in Kantinen und Restaurants auf Hochtouren. Abends kommen die Leute nach Hause, kochen, machen Licht und schalten Fernseher und andere Geräte an. In den Zeiten dazwischen sind die Handelspreise niedriger. Nachts, wenn die meisten Menschen schlafen, erreichen sie gewöhnlich ihren tiefsten Wert. Niedrig sind die Preise auch am Wochenende, wenn in vielen Firmen nicht gearbeitet wird und Schulen, Behörden und andere öffentliche Einrichtungen geschlossen sind. In ganz Deutschland ist der Stromverbrauch am Samstag und Sonntag geringer als von Montag bis Freitag.

Die nachfragebedingten Preisschwankungen treten jeden Tag auf. Wie stark sie sind, hängt auch vom Angebot ab: Bei hoher Produktion von Wind- und Solarstrom können die Preise sehr stark sinken und sogar ins Negative rutschen. Das passiert im Sommerhalbjahr mittags und nachmittags regelmäßig. Wird dagegen wenig Wind- und Solarstrom eingespeist, sind die Strompreise hoch. Denn der Preis an der Börse wird immer von der Stromerzeugungstechnologie bestimmt, die am günstigsten produziert. Das sind Windräder und Photovoltaikanlagen. Strom aus Kohle und Gas zu erzeugen, ist teurer.

Apps helfen beim Verschieben des Stromverbrauchs

Die Anbieter von dynamischen Tarifen stellen in der Regel eine App bereit, über die sie die Strompreise für den nächsten Tag und auch am selben Tag angezeigt bekommen – für jede Viertelstunde. Verlagern lässt sich der Stromverbrauch von großen Stromverbrauchsgeräten wie Waschmaschine, Trockner und Spülmaschine. Noch größere Effekte zeigen sich, wenn ein E-Auto zu Hause geladen und das Haus mit einer Wärmepumpe beheizt wird. Auch hier helfen die Apps der Tarifanbieter: Wird das Auto an die Ladestation geschlossen und diese so programmiert, dass zu den günstigsten Zeiten geladen werden soll, startet der Ladevorgang genau dann, wenn die Preise an der Strombörse in den nächsten Stunden am niedrigsten sind. Auch Wärmepumpen und Haushaltsgeräte lassen sich steuern, wenn sie mit einer App verknüpft werden.

Das Forum Ökologisch Soziale Marktwirtschaft hat 2024 im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband simuliert, welches Einsparpotenzial in Haushalten besteht: Jener mit einem Stromverbrauch von 2.900 Kilowattstunden im Jahr konnte zusätzliche Einsparungen in Höhe von 3 Prozent erzielen. Beim Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 5.800 Kilowattstunden betrugen sie 7 Prozent. Für beide Musterhaushalte war der dynamische Tarif die günstigste Option. Für einen Haushalt mit kleinem Stromverbrauch in Höhe von 1.800 Kilowattstunden war ein Festpreistarif die ökonomisch beste Wahl und danach ein dynamischer Tarif. Mit einem geänderten Nutzungsverhalten verringerten sich die Kosten im dynamischen Tarif um ein Prozent.

Wie unterscheiden sich dynamische Tarife?

In den Services, die eine App bietet, unterscheiden sich die führenden Anbieter dynamischer Tarife. Welche Geräte lassen sich anbinden? Gibt es Push-Nachrichten, um Zeiten niedriger Preise angezeigt zu bekommen? Wird eine Extra-Service-Gebühr erhoben oder steckt diese bereits in den Preisen? Darauf können Verbraucher achten. Auch hinsichtlich der Preistransparenz gibt es Unterschiede. Denn nicht jeder Anbieter macht bekannt, welche Marge und welche Vertriebskosten er über die Preise umlegt. Meist werden diese Kosten auf den monatlich fixen Grundpreis aufgeschlagen.

So ergeben sich auch zwischen dynamischen Tarifen Preisunterschiede: Je nachdem, wie effizient ein Unternehmen arbeitet und wie viel es verdienen will, unterscheiden sich meist die Grundpreise. Neben den Kosten für Vertrieb, Service und der Marge steckt in diesen der Grundpreis für das Netzentgelt und das Entgelt für den Stromzähler.

Voraussetzung für den Abschluss eines dynamischen Tarifs ist ein intelligentes Messsystem. Ist in einem Haushalt noch keines installiert, haben Anbieter Kooperationspartner an der Hand, die den intelligenten Zähler setzen und sich um die Kündigung beim bisherigen Messstellenbetreiber kümmern. Das ist meist der Netzbetreiber.

Fazit

In dynamischen Stromtarifen zahlen Kunden im Schnitt weniger als in Fixtarifen. Verschieben sie ihren Stromverbrauch zusätzlich in Stunden niedriger Börsenstrompreise, sparen sie zusätzlich. Die Tarifanbieter helfen, größere Verbrauchsgeräte zu steuern. Sie unterscheiden sich dabei darin, wie umfassend ihre Services sind.

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