Artikel erstellt am 02.08.2022 | von Antonia Klatt | ca: 4 Min. zu lesen

Solardachziegel: Vorteile, Nachteile, Kosten und mehr

Wem große blaue Solarflächen auf dem Hausdach nicht gefallen, dem bietet sich eine Alternative: Solardachziegel. Auch diese Art der Dachbedeckung produziert Solarstrom. Doch wo liegen die Unterschiede zu regulären PV-Anlagen, was sind die Vor- und Nachteile und sind Solarziegel wirklich eine gute Option? Mehr dazu im folgenden Artikel. 

Dachziegel mit Solarzelle
© Luftbildfotograf – stock.adobe.com

Was sind Solardachziegel?

Solardachziegel sind Dachziegel, in die bereits Solarmodule integriert sind. Auch mit ihnen lässt sich aus Sonneneinstrahlung Solarstrom produzieren. Viele Solar-Interessierte entscheiden sich für Solardachziegel, da die Solarzellen unauffälliger verbaut sind. Von Boden aus sieht ein Haus mit Solardachziegeln ganz normal aus, die Solarmodule sind fast nicht sichtbar. Allerdings haben Solarziegel auch einige Nachteile. 

Vorteile und Nachteile von Solarziegeln

Der größte Vorteil von Solardachziegeln ist die Optik. Sie sind unauffällig und die Solarmodule selbst klein. Daher dürfen Solarziegel auch auf denkmalgeschützten Gebäuden angebracht werden. Weiterhin werden die Module einzeln verkabelt. Alle Ziegel lassen sich also einzeln austauschen, sollte einmal ein Fehler oder eine Störung vorliegen. Bei Neubauten sind die Anschaffungskosten auch nicht immens. Es muss lediglich mit 14% höheren Kosten gerechnet werden. 

Zusammengefasst haben Solardachziegel folgende Vorteile: 

  • Dezentes Aussehen
  • Im Denkmalschutz verwendbar
  • Einzeln austauschbar
  • Geringfügig höhere Kosten im Neubau

Bei all diesen Vorteilen ist es überraschend, dass nicht jedermann sich sein Dach mit Solarziegeln decken lässt. Das liegt daran, dass diese energieproduzierenden Ziegel nicht immer ganz günstig sind. Bei Bestandsbauten muss mit bis zu 140% höheren Kosten gerechnet werden. Außerdem jeder einzelne Solardachziegel störanfällig. Durch die aufwendige Verkabelung kann es sehr lange dauern, bis Fehler dann gefunden werden. Zuletzt sind Solardachziegel natürlich keine echten, normalen Dachziegel. Das bedeutet, dass früher oder später doch zu erkennen ist, dass es sich um spezielle Bedachung handelt. 

Zusammengefasst haben Solardachziegel folgende Nachteile: 

  • Als Solardachziegel erkennbar
  • Störanfälligkeit jedes einzelnen Ziegels
  • Aufwendige Verkabelung
  • Deutlich höhere Kosten im Bestandsbau

Neben allen Vor- und Nachteilen gibt es aber noch einen weiteren Punkt zu beachten: die Produktionsleistung der Ziegel und damit deren Wirtschaftlichkeit im Bezug auf die Mehrkosten.

Wirtschaftlichkeit und Kosten von Solarziegeln

Um die Kosten einer Solardachziegel-Anlage zu berechnen, sollten die gesamten Kosten inklusive Einbau auf einzelne Ziegel herunter gebrochen werden. Rechnen Sie mit Kosten von mindestens 25€ pro Ziegel. Ein Solardachziegel deckt eine Dachfläche von circa 0,07 Quadratmetern ab und hat eine Leistung von circa 0,13 kWp pro Quadratmeter. 

Ein Einfamilienhaus, in dem 4 bis 5 Personen leben, hat einen jährlichen Energiebedarf von circa 5.000 kWh. Um diesen Verbrauch zu decken, wird eine Solaranlage mit 5,5 kWp Leistung benötigt. Denn in Deutschland werden pro kWp im Durchschnitt 900 bis 1.000 kWh Solarenergie im Jahr produziert. 

Um 5,5 kWp Leistung zu erreichen, müssen demnach circa 42 Quadratmeter und damit knapp 600 Solardachziegel verlegt werden. Es muss also mit Kosten in Höhe von 15.000€ bei einem Neubau gerechnet werden. Dazu kommen Kosten für die Dachdämmung. Unterm Strich kostet diese Anlage also 28.000€.

Zum Vergleich: Wird auf einem Neubau eine normale PV-Anlage mit gleicher Leistung installiert, kostet das gar nur rund 7.000€. Allerdings kommen zusätzlich noch Kosten für die Dacheindeckung hinzu. Insgesamt ist mit Kosten in Höhe von 27.000€ zu rechnen. 

Bei Neubauten kann sich die Wahl von Solardachziegeln also lohnen. Handelt es sich bei dem Haus allerdings um einen Bestandsbau, sind die Kosten für die Dacheindeckung und die Dach-Dämmung zu vernachlässigen. Dann sind Solarziegel deutlich teurer als eine herkömmliche Solaranlage.

Egal ob Solarziegel oder Photovoltaikanlage – der Umwelt tut die Produktion von Solarenergie natürlich immer gut. Verluste sind langfristig gesehen im Hinblick auf die steigenden Strompreise auch unwahrscheinlich. Unterm Strich ist auch die große Investition in Solardachziegel vermutlich günstiger als überhaupt keinen Solarstrom zu nutzen – wenn auch weniger wirtschaftlich als eine Investition in eine reguläre PV-Anlage. 

Indach-Photovoltaik-Anlage als Alternative

Für diejenigen, denen Optik und Wirtschaftlichkeit in gleichem Maße wichtig ist, gibt es noch eine weitere Anlagen-Option: die Indach-Photovoltaik-Anlage. Diese Anlagen werden auch anstelle von Dachziegeln auf das Dach gebaut. Allerdings bestehen diese Anlagen aus zusammenhängenden großen Modulen, statt vielen kleinen Ziegelmodulen. Damit sind sie quasi ein Hybrid zwischen Solarziegeln und regulären Solaranlagen. 

Mit Indach-Photovoltaik-Anlagen vermeiden Sie die meisten Nachteile von Solardachziegeln. Sie sind dank verbundener Module günstiger als Dachziegel, weniger störanfällig und verursachen weniger Verkabelungs-Aufwand. Im Gegensatz dazu sind sie zwar ein klein wenig auffälliger, aber doch auf einer Höhe mit der übrigen Dacheindeckung und daher weniger auffällig als reguläre PV-Anlagen. 

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