Artikel aktualisiert am 23.05.2022 | von Lore W. Enders | ca: 4 Min. zu lesen

Solar-Module im Vergleich: Was muss ich über die verschiedenen Modultypen wissen?

Welches Modul passt am besten zu meinem Haus?

Worin unterscheiden sich High Efficiency-, All Black-, Low Cost-, Mainstream-, Bifacial- oder Half-Cut-Module? Mit welchem Solarmodul Sie am besten fahren, hängt immer von den individuellen Gegebenheiten ab. Grundsätzlich sind leistungsstärkere Solarmodule teurer in der Anschaffung. Aber nicht immer ist das leistungsstärkste Modul auch besser geeignet.

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Weniger leistungsstarke Module können je nach Standort durchaus dieselbe Leistung, wie ihre eigentlich leistungsstärkeren Schwestern erzielen. Jedoch sind sie in der Anschaffung deutlich günstiger. So sollte man sich vor der Anschaffung einer Photovoltaikanlage einen Überblick über die angebotenen Module verschaffen und die Vor-und Nachteile abwägen.

Mainstream – der Klassiker unter den Solarmodulen

Bei Mainstream-Modulen handelt es sich um handelsübliche Module. Sie haben in der Regel 60 Zellen, eine weiße Rückseitenfolie und produzieren zwischen 260 und 280 Wp.

High Efficiency- und All Black-Module sind leicht veränderte Mainstream-Module und erreichen so einen höheren Ertrag.

High Efficiency-Module sind kristalline Module mit eine Leistung ab 285 Wp. Die höhere Leistung wird durch zusätzlich verbaute Technologien erzielt, zum Beispiel Perc-Zellen.

All Black-Module haben einen schwarzen Rahmen und eine schwarze Rückseitenfolie. Zum Vergleich: Mainstream-Module haben einen Rahmen aus Aluminium und eine weiße Rückseitenfolie.

Bifaziale Solarzellen: Mehrseitige Solarzellen erhöhen den Ertrag.

Bifacial (auf Deutsch: bifaziale) Solarzellen, also zweiseitige Zellen, können das einfallende Licht sowohl über die Vorderseite als auch über die Rückseite in Strom umwandeln. Bei dieser neuartigen Technologie verfügen die Module über eine zweite Glasscheibe an der Rückseite, die reflektierte, also indirekte, Sonnenstrahlen einfängt. So wird ein höherer Wirkungsgrad erzielt. Diese Solarmodule können bei flachen Dächern sinnvoll sein.

Wie viel Licht reflektiert wird, hängt vom Untergrund ab, also der Beschaffenheit des Daches. Bei einer weißen Oberfläche kann der Mehrertrag bis zu 15% betragen. Der etwas höhere Preis im Vergleich zu einem klassischen PV-Modul kann sich also langfristig rechnen.

Wer bei wenig Platz einen optimalen Wirkungsgrad erzielen möchte, hat mit bifazialen Zellen eine vielversprechende Option.

Half-Cut Module – Ertrag steigern durch Halbieren der Zellen

Bei Half-Cut-Modulen wurden die Zellen halbiert. Ironischerweise erhöht sich dadurch der Ertrag um 2-3% Prozent im Vergleich zur normalen Vollversion.

Wie funktionieren Halbzellen und weshalb erhöht sich bei dieser Technologie der Ertrag?

Dadurch, dass die Solarzellen halbiert werden, wird auch der Stromertrag pro Zelle halbiert. Das führt eigentlich zu einem Leistungsverlust pro Zelle. Dadurch, dass die Zellen kleiner sind, steigt bei Sonneneinstrahlung aber der Füllfaktor und somit der Energieertrag.

Man kann es sich in etwas so vorstellen: Zwei kleine mit Wasser gefüllte Töpfe bringt man auf zwei heißen Herdplatten schneller zu kochen also einen großen Topf, der mit der doppelten Menge Wasser auf einer einzigen heißen Herdplatte steht.

Das Halbieren der Zellen führt dazu, dass sich der Wirkungsgrad der Zellen erhöht. Das liegt daran, dass bei einem hohen Füllfaktor der Serienwiderstand, und somit der Stromverlust, niedriger ist. Bei starker Sonneneinstrahlung haben diese halbierten Zellen daher einen höheren Energieertrag. Dieser Effekt kann durch das Dritteln der Zellen sogar noch zusätzlich gesteigert werden!

Low Cost – Solarmodule mit schlechterer Qualität?

Mitunter wird bei Preisvergleichen eine weitere Modulklasse, Low Cost (also Niedrigpreis), aufgeführt. Allerdings handelt es sich hier um Produkte minderer Qualität. Also leicht beschädigte Module oder Module, die aus anderen Gründen nicht ihrer eigentlich vorgesehenen Kategorie zugeordnet werden können. Auch Gebrauchtware, die in der Regel keine Garantie mehr hat, fällt in diese Kategorie. Diese Module haben oft einen niedrigeren Wirkungsgrad.

Low-Cost-Module können unter Umständen dennoch für Endverbraucher geeignet sein. Je nach Standort können Module mit niedrigerem Wirkungsgrad denselben Ertrag erzielen wie leistungsstärkere Module. Dabei können sie eine echte Entlastung für den Geldbeutel sein.

Hybride Solarmodule (PVT)

Solide Solarmodule verbinden klassische Solarmodule mit einer Wärmegewinnungsanlage für die Heizung eines Gebäudes. Die Anlage kann Sonnenenergie in Strom umwandeln und gleichzeitig Wärme gewinnen. Diese Systeme sind komplexer konstruiert als normale Solaranlagen.

Fazit:

Ob Mainstream, High Efficiency, All Black, Bifacial, Half Cut, Low Cost oder Hybrid — Die Module sind sehr unterschiedlich aufgebaut. Welches Modul man wählt, muss individuell abgestimmt werden und hängt unter anderem vom Standort, der Oberflächenbeschaffenheit, der Größe, der Fläche, den Wetterbedingungen, aber auch der Verfügbarkeit ab.

Als Faustregel gilt: Je höher der Preis, desto höher die Leistungsfähigkeit. Aber nicht immer ist eine maximale Leistungsfähigkeit auch die bessere Wahl.

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