Gasetagenheizungen lassen sich durch Wärmepumpen ersetzen – ohne dass zunächst ein zentrales Verteilsystem geschaffen werden muss. Hersteller haben verschiedene Apartment-Wärmepumpen entwickelt. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die verschiedenen Konzepte.

In dezentral beheizten Gebäuden hat jede Wohnung ihre eigene Anlage. Von diesen Etagenheizungen gibt es in Deutschland rund vier Millionen. Wenige heizen mit Kohle; die große Mehrheit bezieht Gas. Im Zuge der Energiewende sind sie durch klimafreundliche Anlagen zu ersetzen.
Dezentrale Struktur erhalten, statt zentrales Verteilsystem zu schaffen
Möglich ist, das Gebäude auf ein zentrales System umzurüsten. Das ist aufwändig: Heizleitungen sind durchs ganze Haus zu führen und die Wohnungen anzuschließen. Kostenpunkt für ein Gebäude mit 1.000 Quadratmetern Wohnfläche: etwa 100.000 Euro. Trinkwarmwasser kann weiter dezentral bereitet werden, über Durchlauferhitzer, Boiler oder Frischwasserstationen. Für eine zentrale Lösung müssten ebenfalls Rohre durchs Haus verlegt werden. Energetisch gibt es Nachteile: Fließt Heizwasser durch unbeheizte Räume, verliert es Wärme – auch bei guter Dämmung. Schließlich muss sich für eine zentrale Heizanlage auch Platz im Gebäude finden.
Einfacher ist es, an der dezentralen Struktur festzuhalten. Voraussetzung: Es gibt klimafreundliche Heizanlagen, die die Gasthermen ersetzen. Entwickelt wurden dazu kleinere Wärmepumpen, die Heizwasser und Trinkwarmwasser bereiten, aber so kompakt sind, dass sie locker in eine Wohnung passen – idealerweise dort, wo bislang die Gastherme sitzt. Im Betrieb sind die Geräte so laut wie ein Kühlschrank.
Variante 1: Heizen mit verbrauchter Luft
Jede Wärmepumpe braucht eine Quelle, der sie Wärme entzieht. Bei Apartment-Wärmepumpen muss der Zugriff auf diese Quelle in der Wohnung erfolgen. Potenzial bietet sowohl die Raumluft als auch die Außenluft.
Um Wärme aus der Raumluft zurückzugewinnen, werden Lüftungsrohre durch die Wohnung verlegt. Über diese wird feuchte Luft aus Bad, Küche oder dem Hauswirtschaftsraum abgesaugt und zur Wärmepumpe transportiert. Diese bereitet mit der Wärme Heizwasser und Trinkwarmwasser. Anschließend wird die abgekühlte, feuchte Luft über ein Rohr ins Freie geleitet. Über Außenluftdurchlässe oder Aufsätze auf Rollladenkästen strömt frische Luft von draußen nach.
Warmwasserspeicher sind in eine Heizanlage mit Abluftwärmepumpe integriert. Sie ist damit so groß wie ein Kühl-Gefrierschrank. Damit das System funktioniert, braucht es genügend Luft und damit eine bestimmte Wohnungsgröße. Der Schwellwert liegt bei 50 Quadratmetern. Für einen effizienten Betrieb sollte das Heizwasser auf nicht mehr als 55 Grad erhitzt werden.
Variante 2: Heizen mit Außenluft
Eine Luft-Wärmepumpe lässt sich auch dezentral, also nur zur Beheizung einer Wohnung in einem Mehrparteienhaus installieren. Geeignet sind dazu Split-Anlagen: Eine Außeneinheit mit Ventilator wird auf einem Balkon oder einer Terrasse aufgestellt oder aber an der Fassade außen befestigt. Verbunden wird sie mit einer Inneneinheit in der Wohnung, der sie die aufgenommene Umgebungswärme liefert. Ein thermischer Speicher bevorratet Heizwasser und Trinkwarmwasser. Innengeräte sind dabei wiederum so groß wie ein Kühlschrank, abhängig vom Volumen des Pufferspeichers. Auch hier sollte sich eine Wohnung mit maximal 55 Grad heißem Wasser beheizen lassen. Notfalls können einzelne Heizkörper durch leistungsstärkere ersetzt werden.
Variante 3: Zugriff auf ein Gebäudenetz
Die dritte Möglichkeit ist, dass die Apartment-Wärmepumpe auf ein Gebäudenetz zugreift. Dann können weitere Wärmequellen angezapt werden, die nicht in direkter Reichweite einer Wohnung liegen: der Boden, Wasser, Abwasser oder Solarenergie. Eine zentrale Wärmepumpe entzieht der jeweilgen Quelle Energie und erwärmt damit ein Medium, das durch ein Gebäudenetz fließt. Das Medium ist meist ein Wasser-Glykol-Gemisch und wird auf lauwarme Temperaturen gebracht. Die enthaltene Energie nutzen die Wärmepumpen in den Wohnungen, die an das Netz angeschlossen sind. Es handelt sich dabei um Sole-Wärmepumpen. Sie können das Heizwasser in den Heizkreisen der Wohnungen auf bis zu 75 Grad erhitzen. Aufgrund dieser hohen Vorlauftemperaturen lässt sich dieses Konzept in jedem Mehrfamilienhaus umsetzen. Dafür ist zusätzlich ein Gebäudenetz mit zentraler Wärmepumpenanlage zu schaffen.
Kältemittel entscheidend bei Innenaufstellung einer Wärmepumpe
Eines ist bei der Aufstellung von Etagenwärmepumpen zu beachten: das Kältemittel. Natürliche Kältemittel wie Propan sind brennbar. Im Fall einer Leckage der Wärmepumpe muss sichergestellt sein, dass das Gas schnell ins Freie gelangt. Dafür sorgen Lüftungssysteme, etwa in Kombination mit einer Abluftwärmepumpe. Oder die Wärmepumpe enthält nur so wenig Kältemittel, dass von dem Gas kein Risiko ausgeht, wenn es aus der Maschine austreten sollte. Wärmepumpen mit so wenig natürlichem Kältemittel sind seit 2025 am Markt. Die Hersteller weisen darauf hin, wenn ihre Aufstellung in Wohnräumen erlaubt ist.
Synthetische Kältemittel sind dagegen in der Regel nicht brennbar. Die Wärmepumpen, die mit diesen arbeiten, unterliegen keinen Einschränkungen bei der Aufstellung in Innenräumen. Dafür weisen synthetische Kältemittel ein hohes Treibhausgaspotenzial aus. Viele dürfen deswegen ab 2027 gar nicht mehr oder nur noch in kleinen Mengen in Wärmepumpen eingesetzt werden. Ab 2028 werden Anlagen mit synthetischem Kältemittel nicht mehr über die Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG) gefördert.
Wirtschaftlichkeit von dezentralen Wärmepumpen
Ob ein dezentrales Wärmepumpensystem für ein Gebäude wirtschaftlicher ist als ein zentrales, ist in jedem Fall zu prüfen. Viele einzelne Wärmepumpen in Wohnungen sind in Summe teurer als eine größere, zentrale Anlage. Auch die Wartungskosten sind für eine größere Anlage geringer als für mehrere kleine. Kommen aber die Kosten für die Umrüstung auf ein zentrales Verteilsystem hinzu, können sich dezentrale Konzepte als vorteilhafter erweisen.
Bleibt die dezentrale Heizstruktur erhalten, bedeutet das auch: Jeder Haushalt zahlt weiterhin für die Wärme, die nur in der Wohnung benötigt wird. Es braucht keine Wärmemengenzähler und keine Heizkostenabrechnung, über die die Betriebskosten einer zentralen Anlage umgelegt werden. Die Kosten bestimmen sich dabei nicht allein nach dem Verbrauch, sondern auch nach der Wohnfläche im Haus.
Fazit
Wärmepumpen können Gasetagenheizungen ersetzen. Die dezentralen Anlagen werden in Wohnungen installiert, sind etwa so groß wie eine Gastherme und nicht lauter als ein Kühlschrank. Als Wärmequelle nutzen sie Abluft, Außenluft oder greifen auf ein Gebäudenetz zu.





