Artikel erstellt am 16.03.2026
von Andreas Kühl | ca: 4 Min. zu lesen

Wärmepumpe oder Dämmung – was kommt zuerst?

Sie fragen sich, ob Sie zuerst in eine bessere Dämmung Ihres Eigenheims oder besser direkt in eine Wärmepumpe als neue Heizung investieren sollen. Vor dieser Frage stehen auch viele andere Eigenheimbesitzer. Ihnen ist es wichtig, eine wirtschaftliche Lösung zu finden, die Ihre Energiekosten und CO2-Emissionen reduziert. In vielen Häusern ist der Einbau einer Wärmepumpe der größte Hebel, mit dem Sie diese Ziele erreichen können. Das Alter Ihres Hauses sagt sehr viel darüber aus, ob eine vorherige Dämmung notwendig ist. In diesem Beitrag erklären wir die Gründe und zeigen, worauf Sie achten sollten.

Der Prozess des Abtauens befreit die Außeneinheit der Wärmepumpe von Eis
Nicht immer ist eine Gebäudesanierung vor dem Einbau einer Wärmepumpe notwendig (Bildquelle: tl6781 – stock.adobe.com)

Mythos der teuren Sanierung vor der Installation einer Wärmepumpe

Es wird oft davon gesprochen oder geschrieben, ein älteres Gebäude benötige eine teure und aufwändige Sanierung, bevor eine Wärmepumpe dort funktioniert. Das stimmt nicht, wie verschiedene Untersuchungen gezeigt haben. Wärmepumpen arbeiten auch in unsanierten Gebäuden zuverlässig, wenn die Heizflächen ausreichend dimensioniert sind. Es sind auch keine Fußbodenheizungen notwendig für den Betrieb der Wärmepumpe.

Oft reichen kleinere, gezielte und günstige Sanierungsmaßnahmen aus, um den Wärmebedarf zu reduzieren und einen effizienten Betrieb der Wärmepumpe zu ermöglichen.

Welche Sanierungsmaßnahmen notwendig sind, hängt vom jeweiligen Gebäude ab. Grundsätzlich ist eine energetische Sanierung zur Reduzierung des Heizwärmebedarfs und zur Steigerung der Effizienz der Wärmepumpe immer sinnvoll. Sie sollte aber auch wirtschaftlich sinnvoll sein und im Verhältnis zum erzielten Nutzen stehen.

Wer die finanziellen Möglichkeiten für beide Maßnahmen nicht hat, muss sich entscheiden, wo die begrenzten Mittel eine größere Wirkung erzielen.

Reicht die Wärmepumpe aus?

Haben Sie als Eigentümerin oder Eigentümer nur die Möglichkeit, in eine der Maßnahmen zu investieren, müssen Sie entscheiden, welche Sie durchführen lassen. Maßnahmen an der Gebäudehülle werden in der Regel nur beauftragt, wenn sie notwendig sind. Daher müssen Sie sich für den Weg entscheiden, der am meisten zur Reduzierung Ihrer Heizkosten und CO2-Emissionen beiträgt. Eine Standardantwort, die für alle Häuser gültig ist, gibt es nicht. Dazu sind Häuser in ihrer Bauweise zu unterschiedlich.

Wichtig ist, dass alle Räume bei einer Vorlauftemperatur der Heizung von 55 °C ausreichend warm werden. Mit Vorlauftemperatur ist die Temperatur gemeint, die von der Heizung an das Rohrsystem abgegeben wird. Der Rückweg wird als Rücklauftemperatur bezeichnet. Im Altbau können Sie durch Absenkung der Vorlauftemperatur auf 55 °C prüfen, ob es in allen Räumen ausreichend warm wird, wenn die Thermostatventile auf mittlerer Stufe stehen.

Entscheidungshilfe Baujahr des Gebäudes

Ein Anhaltspunkt für die Entscheidung, ob Sie in Sanierung oder Wärmepumpe investieren, kann auch das Baujahr des Gebäudes sein. Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte haben sich die Anforderungen an die Energieeffizienz verändert.

Ab Baujahr 1995 ist der Einsatz einer Wärmepumpe in der Regel problemlos ohne weitere Maßnahmen möglich. Seit diesem Zeitpunkt gelten hohe Anforderungen an den Wärmeschutz des Gebäudes. Lediglich die Größe der Heizkörper sollten Sie prüfen lassen, ob diese für eine verringerte Vorlauftemperatur ausreichend bemessen sind.

Bei älteren Gebäuden mit Baujahr 1978 bis 1994 können Maßnahmen zur Reduzierung der Wärmeverluste notwendig sein, sofern dies noch nicht geschehen ist. Am wirkungsvollsten sind neue Fenster, denn die waren ein großer Schwachpunkt in der Gebäudehülle. Eine weitere Schwachstelle kann das Dach sein, wenn die oberste Geschossdecke oder das Dach selbst nicht gedämmt sind. Im Dach können zusätzliche Wärmeverluste durch unzureichende Luftdichtheit entstehen.

Gebäude, die vor 1978 erbaut wurden, erfordern zusätzliche Maßnahmen, damit eine Wärmepumpe effizient betrieben werden kann. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es in Deutschland keine Anforderungen an die Energieeffizienz eines neu erbauten Gebäudes. Neben den Fenstern und dem Dach kann sich auch eine Dämmung der Außenwand lohnen, besonders wenn ohnehin Arbeiten zur Instandsetzung erforderlich sind.

Es müssen nicht immer die teuersten Maßnahmen zur Verbesserung der Wärmedämmung sein. Oft reichen auch günstige Schritte aus, wie eine Dämmung und Luftdichtung des Zugangs zum Dachboden, eine Dämmung der obersten Geschossdecke oder ungedämmter Drempel bzw. Kniestock. Bei Häusern mit zweischaligem Mauerwerk ist die nachträgliche Dämmung des Zwischenraums verhältnismäßig günstig. Auch alte Rollladenkästen im Mauerwerk können mit nachträglicher Dämmung den Energieverbrauch reduzieren.

Fazit

Grundsätzlich gilt, dass eine Sanierung den Energiebedarf senkt und die Effizienz der Wärmepumpe erhöht. Je älter das Gebäude, desto sinnvoller sind Maßnahmen an der Gebäudehülle zur Verbesserung der Energieeffizienz, bevor eine Wärmepumpe installiert wird. Jüngere Gebäude, die maximal 30 Jahre alt sind, benötigen keine zusätzliche Sanierung. Bei diesen Gebäuden ist die Wärmepumpe der deutlich größere Hebel zur Senkung der Energiekosten und Emissionen.

Besonders bei älteren Gebäuden ist es ratsam, einen Energieberater zu beauftragen. Dieser ermittelt die individuellen Schwachstellen und macht Vorschläge für eine sinnvolle Sanierung anhand des Gebäudezustandes.

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