Artikel aktualisiert am 24.06.2022 | von Karina Shepetunova | ca: 4 Min. zu lesen

Inselanlage: Lohnt sich eine Solaranlage ohne Netzanschluss?

Solaranlagen gewinnen, auch aufgrund der derzeitigen politischen Lage, immer mehr an Bedeutung. Stromerzeugung ist längst nicht mehr nur ein Thema für Kern- und Kohlekraftwerke. Wer Autarkie anstrebt, entscheidet sich für eine Photovoltaikanlage. Diese werden in der Regel auch ans hiesige Stromnetz angeschlossen. Aber muss das unbedingt sein, wenn man den erzeugten Strom nur selbst verbrauchen möchte?

Inselanlage - Photovoltaikanlage ohne Netzanschluss
©Voyagerix – stock.adobe.com

Heutzutage gibt es viele Möglichkeiten Strom zu erzeugen. Auf dieses Erzeugnis zu verzichten, grenzt an ein Ding der Unmöglichkeit. Denn ob Computer, Handy oder Fernseher, alles braucht Strom. Solaranlagen erzeugen sogenannten grünen Strom. Grün steht dabei für umweltfreundlich. Diese Art der Stromerzeugung erfreut sich derzeit größter Beliebtheit. Durch die Debatte um Klimaziele sind Atomkraftwerke und Kohlebergwerke stark in Verruf geraten. Somit setzen immer mehr Konsumenten auf die Produktion von selbst erzeugtem Strom durch Solaranlagen. Trotzdem werden auch diese Anlagen ans Stromnetz angeschlossen. Was auf den ersten Blick nicht sinnvoll erscheinen mag, hat durchaus seinen Grund.

Inselanlage – Solaranlage ohne Netzanschluss

Während Photovoltaikanlagen für gewöhnlich an das Stromnetz angeschlossen werden, erfolgt dieser Schritt bei Inselanlagen nicht. Der Aufbau und die Funktionsweise beider Optionen sind dabei gleich. PV-Anlagen mit einem Anschluss ans Stromnetz werden als On-Grid System bezeichnet. Inselanlagen fallen unter den Begriff Off-Grid. Auf den ersten Blick gibt es also für den Besitzer einer Inselanlage keinerlei Nachteile, denn beide erzeugen Strom aus erneuerbaren Energien. Doch was passiert, wenn die Sonnenstrahlung dauerhaft ausbleibt, beispielsweise bei anhaltendem Regen über Tage. In einem solchen Szenario müsste bei Inselanlagen auf vieles verzichtet werden, was mit Strom betrieben wird und/oder keinen Akku hat. Dieser Sachverhalt macht eine Inselanlage zwar uninteressant für Wohnhäuser, aber im Allgemeinen nicht gänzlich unbrauchbar.

Off-Grid vs. On-Grid – Was bedeuten diese Begriffe?

Im Zusammenhang mit Photovoltaikanlagen werden häufig die Begriffe On-Grid und Off-Grid verwendet. Im Grunde genommen bedeutet das nur, dass eine Anlage entweder ans öffentliche Stromnetz angeschlossen ist, oder nicht.

Off-Grid

  • Arbeiten unabhängig vom Stromnetz
  • Geeignet für Stromerzeugung in Gegenden ohne Stromnetzanbindung
  • Keine Einspeisevergütung möglich

Beispiel: Gartenhaus, Boot, Wohnwagen, Balkon

On-Grid

  • Arbeiten auch unabhängig vom Stromnetz
  • Geeignet für Stromerzeugung in Gegenden mit Stromnetzanbindung
  • Einspeisevergütung möglich

Beispiel: Wohnhaus, Fabrikanlage

Vor- und Nachteile einer Photovoltaikanlage ohne Netzanschluss

Eine PV-Anlage, welche nicht ans Stromnetz angeschlossen wird, hat den Vorteil der Mobilität. Denn Solaranlagen können grundsätzlich auf jeder Art von Dach montiert werden. Das bezieht sich nicht nur auf Dächer von Wohnhäusern, sondern findet auch durchaus auf Dächern von Wohnwagen und Wohnmobilen Anwendung.

PV-Anlagen mit Netzanschluss können den nicht genutzten Strom ins Stromnetz einspeisen. Die sogenannte Einspeisevergütung liegt für Anlagen, welche jetzt ans Stromnetz angeschlossen werden, bei unter 6 Cent pro erzeugter kW/h. Um auch Strom zu haben, wenn die Sonne mal nicht scheint, lohnt sich die Anschaffung eines Stromspeichers. Dieser lädt sich während des Tages durch zusätzlich erzeugten Solarstrom auf und gibt am Abend, wenn die Sonne untergegangen ist, den Strom wieder ab. Somit muss die Anlage größer geplant, sowie mit einem viel größerem Speicher versehen werden, damit auch produktionsarme Zeiträume mindestens so viel Energie zur Verfügung stellen wie vom Nutzer mindestens benötigt werden.

Wann lohnt sich eine Solar-Inselanlage?

Eine Solar-Inselanlage lohnt sich immer dann, wenn eine Anbindung ans Stromnetz nicht möglich ist. So zum Beispiel bei Jagdhütten, Berghütten und Gartenhäusern.

Ein weiterer Aspekt ist die Mobilität. Möchte man auf einem Boot oder einem Wohnwagen selbst Strom erzeugen, kommt nur eine Inselanlage in Frage. Denn um ans Stromnetz angeschlossen werden zu können, muss eine PV-Anlage an Ort und Stelle bleiben. Das macht bei Booten und Wohnwagen selbstverständlich keinen Sinn.

Anlagen, die zu klein sind, als dass es sich lohnen würde diese ans Stromnetz anzuschließen, werden auch als Inselanlagen betrieben. Das ist der Fall bei Solarmodulen, welche auf dem Balkon angebracht werden. Auch diese erzeugen Strom, der für den Eigengebrauch verwendet werden kann. Doch lohnt die Größe der Anlage nicht ans Netz angeschlossen zu werden.

Fazit

Inselanlagen sind Photovoltaikanlagen, die nicht ans Stromnetz angeschlossen werden. Die Gründe dafür reichen von der Größe der Anlage, über die Mobilität, bis hin zu fehlenden Möglichkeiten ans Stromnetz angebunden werden zu können.

Bei Wohnhäusern spielen diese Gründe meist keine Rolle. Doch hat man zum Haus noch ein Boot oder einen Wohnwagen, können auch hier Solaranlagen installiert werden, die Strom produzieren. Somit erreicht man auch hier einen höheren Unabhängigkeitsgrad.

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