Dynamische Stromtarife helfen, Stromkosten zu senken. Aber auch zwischen den Anbietern gibt es Unterschiede: Sie preisen unterschiedlich hohe Kosten für Vertrieb und Marge ein und bieten unterschiedliche Services zu Verschiebung von Stromverbräuchen. Darüber hinaus gibt es Tarife mit vollem Preisrisiko und solche mit geringerem. Woran sich Verbraucher bei der Wahl eines Anbieters orientieren können, erklärt dieser Artikel.

Seit 2025 muss jeder Stromlieferant mit mindestens 100.000 Kunden einen dynamischen Stromtarif anbieten. Ein solcher zeichnet sich dadurch aus, dass sich seine Höhe entsprechend den Preisen am Spotmarkt der Strombörse verändert. Sind die Marktpreise niedrig, sinkt der Strompreis für Verbraucher; steigen die Marktpreise, zahlt auch ein Verbraucher mehr. Der Staat erhofft sich von dynamischen Tarifen, dass Verbraucher ihr Nutzungsverhalten stärker nach den Marktpreisen ausrichten. Denn dann würde sich der Stromverbrauch auch bei einer steigenden Zahl von Elektroautos und Wärmepumpen im Land gleichmäßiger über den Tag verteilen und sich Lastspitzen weniger stark ausprägen. Das Stromnetz müsste so weniger stark ausgebaut werden.
Dynamische Tarife sind günstiger als fixe Stromtarife – auch ohne Verbrauchsänderung
Dynamische Stromtarife bieten auch für Verbraucher Vorteile. Denn sie sind im Schnitt günstiger als fixe Stromtarife. Das belegen Daten der Bundesnetzagentur: Dynamische Tarife sind über ein volles Jahr gesehen günstiger als fixe Tarife – auch, wenn Kunden den Stromanbieter jedes Jahr wechseln. Wer seinen Verbrauch an die Marktpreise anpasst, kann zusätzlich Kosten sparen. Das Angebot an dynamischen Tarifen ist groß: 412 Tarife zählte die Bundesnetzagentur in ihrem Monitoringbericht 2025. Allerdings lassen sich die meisten davon nur auf der Internetseite der Anbieter finden, wenn gezielt nach ihnen gesucht wird. In Vergleichsportalen sind bislang nur eine Handvoll gelistet: Weniger als zehn führen Verivox und Check24 jeweils.
Unterschiede zwischen dynamischen Tarifen: Höhe der Service-Gebühren
Wie andere Stromtarife auch unterscheiden sich dynamische Tarife in den fixen Preisbestandteilen. Ein großer Teil dieser fixen Kosten – nämlich Umlagen, Entgelte, Steuern und Abgaben – werden hoheitlich festgelegt und sind damit tarifunabhängig. Ein weiterer fixer Posten unterscheidet sich aber, weil ihn die Anbieter festlegen: ihre eigenen Vertriebskosten und ihre Marge. Nach Daten der Bundesnetzagentur lagen diese Kosten 2025 für alle Stromtarife – fixe wie dynamische – im Schnitt bei 4,45 Cent pro Kilowattstunde netto, mithin also 5,30 Cent pro Kilowattstunde brutto. Wie hoch die Kosten in dynamischen Tarifen sind, weist das Vergleichsportal Check24 aus – im monatlichen Grundpreis und dem verbrauchsabhängigen Arbeitspreis gibt die Plattform eine Service-Gebühr an. In der nachfolgenden Tabelle sind diese Service-Gebühren für eine Berliner Postleitzahl bei 3.000 Kilowattstunden Stromverbrauch aufgeführt.
Kosten für Vertrieb und Marge in dynamischen Stromtarifen
| Service-Gebühr Grundpreis | Service-Gebühr Arbeitspreis | Service-Gebühr bei 3.000 kWh Verbrauch pro Jahr | |
| Volkswagen Group Charging GmbH | 6,00 Euro/Monat | 0,89 Cent/kWh | 98,70 Euro/Jahr |
| aWATTar Deutschland GmbH (Marke tado°) | 4,58 Euro/Monat | 1,79 Cent/kWh | 108,66 Euro/Jahr |
| Ostrom GmbH | 6,00 Euro/Monat | 1,26 Cent/kWh | 109,80 Euro/Jahr |
| Rabot Energy DE GmbH (Marken Rabot Energy und KlarWatt) | 4,99 Euro/Monat | 1,79 Cent/kWh | 113,58 Euro/Jahr |
| Octopus Energy Germany GmbH | 6,49 Euro/Monat | 1,79 Cent/kWh | 131,58 Euro/Jahr |
| Prokon Regenerative Energie eG | 6,18 Euro/Monat | 2,00 Cent/kWh | 134,16 Euro/Jahr |
| Tibber Deutschland GmbH | 5,99 Euro/Monat | 2,15 Cent/kWh | 136,38 Euro/Jahr |
| durchschnittliche Kosten Vertrieb plus Marge über alle Stromtarife | 5,30 Cent/kWh | 159,00 Euro/Jahr | |
Quelle: Tarifabfrage für dynamische Tarife bei Check24 für eine Berliner Postleitzahl und 3.000 Kilowattstunden jährlichem Verbrauch. Etwaige Boni bleiben unberücksichtigt. Die Tarife sind nach den Service-Kosten pro Jahr aufsteigend geordnet. Die Angaben zur durchschnittlichen Höhe von Vertriebskosten und Marge stammen aus dem Monitoringbericht der Bundesnetzagentur 2025. Es handelt sich um einen mengengewichteten Durchschnittspreis für eine Abnahme von 2.500 bis 5.000 Kilowattstunden pro Jahr. Alle Preise in der Tabelle sind Brutto-Preise. (Stand: 10. März 2026)
Wie zu erkennen, liegen die Gebühren der ersten vier Anbieter in der Tabelle bei dem genannten Jahresverbrauch um 20 bis 30 Euro pro Jahr niedriger als die der weiter unten stehenden. Aber alle aufgeführten dynamischen Tarife haben niedrigere Vertriebskosten mitsamt Marge als alle Stromtarife im Schnitt. Das ist ein wesentlicher Grund, weshalb dynamische Tarife günstiger sind als fixe Tarife. Die im Schnitt höheren Gebühren für den Vertrieb sind ein Risikoaufschlag, über den die Anbieter fixer Tarife ihre zugesicherten Preise einschließlich der Beschaffungskosten absichern. Da in dynamischen Tarifen der Kunde die Strompreise am Markt direkt trägt, braucht es diesen Puffer auf Anbieterseite nicht.
Volldynamisch oder mit Preisobergrenze: Wie stark sollen die variablen Kosten schwanken
Obwohl dynamische Tarife in den vergangenen drei Jahren günstiger waren als fixe Stromtarife, haben Verbraucher Bedenken, den Preisen an der Strombörse direkt ausgesetzt zu sein. Deswegen bieten viele Stromlieferanten zu voll dynamischen Tarifen auch solche, in denen hohe Marktpreise nicht direkt durchschlagen. Bei 37,89 Cent pro Kilowattstunde liegt die Obergrenze beim Arbeitspreis im Tarif KlarWatt smart, den ImmoScout24 in Kooperation mit Rabot Energy anbietet. Maximal zahlt ein Kunde diesen Arbeitspreis, auch wenn die Kosten am Markt so stark steigen, dass er höher wäre. Auf der anderen Seite profitieren Kunden aber vollständig von niedrigen Marktpreisen. Fast jeder zweite Kunde von Rabot Energy entscheidet sich für diesen Tarif und nicht für den volldynamischen oder fixen Tarif. Auch bei Ostrom gibt es einen Tarif mit Preisobergrenze. Der Spitzenpreis beträgt 40 Cent pro Kilowattstunde.
Variable oder flexible Tarife: Weniger Risiko, weniger Preisvorteile
Eine andere Möglichkeit, vor kurzfristigen Preissteigerungen geschützt zu sein, aber trotzdem schneller als in fixen Tarifen von sinkenden Beschaffungskosten zu profitieren, bieten flexible oder variable Tarife. Im Tarif „Monthly“ kauft etwa der Anbieter aWATTar den Strom am Markt monatsweise im voraus und gibt die Beschaffungskosten für jeden Monat vorab bekannt. Kurzfristige Preissprünge bildet der Tarif nicht ab – weder nach oben noch nach unten. Auch Naturstrom bietet einen Flex-Tarif auf Basis monatlich veränderlicher Preise. Tibber legt die durchschnittlichen Preise eines Monats über ein Standardlastprofil und rechnet so den Strombezug ab. Wie hoch die Beschaffungskosten gegenüber dynamischen und fixen Tarifen im Schnitt sind, wurde von Dritten bislang nicht erhoben. Diese variablen oder flexiblen Tarife brauchen im Gegensatz zu dynamischen Tarifen keinen intelligenten Stromzähler. Sie lassen sich auch mit einem digitalen oder analogen Zähler nutzen.
Technische Voraussetzung für dynamische Tarife: ein intelligentes Messsystem
Voraussetzung für einen dynamischen Stromtarif ist ein intelligentes Messsystem, das den Stromverbrauch für jede Viertelstunde erfasst und fernauslesbar ist. Nur so können Stromlieferanten die aktuellen Börsenstrompreise dem Strombezug für jede Viertelstunde zuordnen und abrechnen. Bisher sind nur wenige dieser Messgeräte in Deutschland verbaut: rund zwei Millionen waren es im Herbst 2025, hat die Bundesnetzagentur bekannt gegeben. Das entspricht einem Anteil von rund vier Prozent. Wer einen dynamischen Tarif abschließen will und noch keinen intelligenten Stromzähler hat, kann ihn sich setzen lassen. Anbieter von dynamischen Tarifen kooperieren dazu mit Messstellenbetreibern. Es empfiehlt sich, die Preise für Einbau und Messstellenbetrieb vorab zu vergleichen. Setzt das für eine Region zuständige Unternehmen einen Zähler, handelt es sich um den grundzuständigen Messstellenbetreiber, der die gesetzlich festgelegten Preisobergrenzen einhalten muss. Diese Preisobergrenzen unterscheiden sich danach, ob der Einbau eines intelligenten Messsystems in einem Haushalt gesetzlich vorgeschrieben ist oder freiwillig, also auf Wunsch des Kunden erfolgt.
Preisobergrenzen (POG) für intelligente Messsysteme
| Preisobergrenze für grundzuständige Messstellenbetreiber (gMSB) | ||
| Pflichteinbau | > 6.000 kWh/Jahr Strombezug | 40 Euro/Jahr |
| Wärmepumpe, Wallbox, Batteriespeicher > 4,2 kW Leistung | 50 Euro/Jahr + Steuerungsgerät für 50 Euro/Jahr | |
| PV-Anlage > 7 bis 15 kW Leistung | 50 Euro/Jahr + Steuerungsgerät für 50 Euro/Jahr | |
| freiwilliger Einbau | bis 6.000 kWh/Jahr Strombezug | etwa 100 Euro einmalig für Einbau und 60 Euro/Jahr |
Quelle: MsbG (Stand: 2026). Über das Steuerungsgerät bei Wärmepumpe, Wallbox, Batteriespeicher und PV-Anlage kann der Netzbetreiber auf die Anlagen zugreifen und ihre Bezugs- oder Einspeiseleistung verringern. Die steuerbaren Verbraucher erhalten dafür reduzierte Netzentgelte.
Verbraucher können ein Unternehmen ihrer Wahl bestimmen, das ihnen Messtechnik einbaut. Jedes andere Unternehmen als der grundzuständige Messstellenbetreiber ist ein wettbewerblicher Messstellenbetreiber und nicht an die Preisobergrenzen gebunden. Einen anderen Messstellenbetreiber zu beauftragen, kann Kosten sparen. So lässt der Stromanbieter Octopus energy von einer Tochterfirma Smart Meter einbauen und verspricht, dass die Kosten zehn Euro pro Jahr unter der jeweiligen gesetzlichen Preisobergrenze liegen werden. Der Messstellenbetreiber Inexogy, der mit Rabot Energy zusammenarbeitet, verlangt bei freiwilligem Einbau einmalig 70 Euro für das Setzen des Zählers und jährliches Entgelt von 45 Euro für den Betrieb der Messstelle. Um Kündigung des bisherigen Messstellenvertrags kümmern sich die neuen Dienstleister.
Intelligente Steuerung von Wallbox und Wärmepumpe: Stromkosten sinken beträchtlich
Ist ein Smart Meter eingebaut lassen sich mit dynamischen Stromtarifen die Stromkosten zusätzlich verringern: Wenn der Verbrauch an den Marktpreisen ausgerichtet wird. Anbieter dynamischer Tarife zeigen über Apps die Strompreise für den folgenden Tag und denselben Tag und senden Nachrichten, wenn Preise günstig sind. Wer daraufhin nicht händisch Geräte programmieren oder direkt anstellen will, kann größere Geräte über Apps ansteuern, etwa eine Wallbox, eine Wärmepumpe oder auch Waschmaschine und Geschirrtrockner. Beim Laden von Elektroautos über eine eigene Wallbox gibt es Smart charging Apps. Wird das Auto an die Wallbox angestöpselt und angegeben, wie stark es bis zum nächsten Einsatz geladen sein soll, sorgt die App dafür, dass in dem vorgegebenen Zeitfenster zu den niedrigsten Preisen geladen wird. In einer Studie der Beratungsagentur Neon Neue Energieökonomik für den Stromanbieter Naturstrom wurden die Stromkosten für ein Elektroauto für den Zeitraum September 2024 bis August 2025 beziffert, wenn intelligent geladen wird. Die Stromkosten verringern sich dann um 31 Prozent. Nutzt der Autohalter auch variable Netzentgelte, kann er seine Stromkosten sogar um 82 Prozent senken. Wärmepumpen werden so gesteuert, dass sie in Zeiten niedriger Stromkosten den Pufferspeicher füllen. Aus diesem wird das Haus in Zeiten höherer Strompreise mit Wärme versorgt. Hier hat die Beratungsagentur Neon ermittelt, dass die Stromkosten einer intelligent gesteuerten Wärmepumpe in einem dynamischen Tarif um 7 Prozent sinken. Mit variablen oder reduzierten Netzentgelten beträgt die Ersparnis rund ein Viertel gegenüber den Kosten einer nicht intelligent gesteuerten Wärmepumpe.
Fazit
Dynamische Stromtarife sind im Schnitt günstiger als fixe Stromtarife. Aber sie unterscheiden sich auch untereinander: Hinsichtlich der Kosten für Vertrieb und Marge, die ein Anbieter erhebt. Und bei den Services, mit denen sich Verbräuche verschieben und Kosten optimieren lassen. Welche Potenzial für Einsparungen besteht, hängt vom Stromverbrauch und den steuerbaren Geräten im Haushalt ab.


